KEYNOTE: Björn Bicker
Abstract folgt…

PANEL I: Partizipation von Anfang an?

Dorothea Hilliger: Theaterpädagogisches Handeln im framing von ‚risk, rules, reality and rhythm’
Während einer Lecture Performance zur Eröffnung des Instituts für Performative Künste und Bildung der HBK Braunschweig erläuterte Sean Patten vom Performancekollektiv Gob Squad die Arbeitsweise seiner Künstlergruppe. Als framing, in dem die Gruppe sich künstlerisch bewegt, nannte Sean Patten die Eckpunkte risk, rules, reality and rhythym.
Die hier vorgestellte Position modifiziert diesen Rahmen für theaterpädagogisches Handeln und befragt aus diesem Ansatz heraus den Begriff der Partizipation.

Norma Köhler: Teil sein und Teilen im Produktionsprozess
Partizipatorische Ansprüche beziehen sich nicht nur auf die Zugangsmöglichkeiten zur Mitwirkung bei einem Theaterprojekt sondern auch auf die schöpferische und gleichberechtigte Beteiligung aller Ensemblemitglieder. Geht das mit Kindern und Jugendlichen? Der Beitrag verfolgt Partizipation als Frage der Organisation und als dialeketisches Prinzip.

Johannes Kup: Partizipation als Performance des authentischen Selbst?
Im allgegenwärtigen „Partizipationsimperativ“ (Bröckling) verbindet sich die Aufforderung zur aktiven Teilnahme nicht selten mit einem Appell an das Individuum, sich mit seinem ‚authentischen Selbst’ einzubringen. Auch manchem partizipativen Theaterprojekt liegt ein auf Authentizität ausgerichtetes Verständnis von Teilhabe zugrunde. Welche Konsequenzen ergeben sich aus einem solchen Partizipationsbegriff für die Theaterpädagogik und die kulturelle Bildung?

Eva Plischke: Teilhabe proben? Zukunftsforschung als szenisch-performative Forschung mit Kindern
Das künstlerische Forschungsprojekt Junges Institut für Zukunftsforschung (im Rahmen des Graduiertenkollegs Versammlung und Teilhabe, Hamburg) be- und verhandelt verschiedene Dimensionen und Fragen der Teilhabe: Es geht um die Teilhabe der Künste ebenso wie die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Zukunftsforschung. Gemeinsam mit Schüler_innen, für die es im besonderen Maße gilt, zukunftsfähig werden zu sollen, wurde ein 'Institut auf Probe' gegründet, das Zukunftsforschung als szenisch-performative Forschung betreibt. Ausgehend davon möchte ich diskutieren, inwiefern in künstlerischen Prozessen Formen gesellschaftlichen/demokratischen Teilnehmens oder Teilhabens erprobt oder auf die Probe gestellt werden können. Neben den Begriff der Teilhabe stelle ich den Begriff der Probe bzw. des Probehandelns als einen öffentlichen, performativen Akt.

PANEL II: Nazis eine Bühne geben? Zur Frage der Partizipationsfähigkeit

Dierk Borstel: Mit Nazis reden?
Kann man mit Rechtsextremisten reden? Und wenn ja wozu und in welchem Rahmen? Und wenn nicht, was dann? Kaum eine Frage wird so emotional behandelt wie der konkrete Umgang mit Rechtsextremisten. Viele haben Angst, andere vermuten Anbiederung oder gar Sympathie bei jenem, die mit Rechtsextremisten Gespräche führen. Andererseits geht Veränderung z. B. Ausstiege von Rechtsextremisten nur mit Kommunikation im Vorlauf. Der kurze Input wird das Für und Wider dieser Fragen anhand von kleineren Praxisbeispielen aufgreifen und zur Diskussion stellen.

Melanie Hinz: Partizipation im Theater als Resozialisierungsprogramm für Neonazis? Über Christoph Schlingensiefs „Hamlet“-Projekt am Zürcher Schauspielhaus (2001)
2001 bittet Christoph Schlingensief aussteigewillige Neonazis in seiner „Hamlet“- Inszenierung auf die Bühne des Zürcher Schauspielhauses, unter ihnen ist auch Torsten Lemmer, der größte Produzent für Rechts- und Skinheadrock. Die Besetzung ist ein vieldiskutierter Skandal. Begleitet wird die Inszenierung im Vorfeld von Interventionen des Schauspielensembles im öffentlichen Raum zur Gründung des Vereins „Rein e.V.“ für weitere aussteigewillige Neonazis und zum Aufruf des Verbots der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP). Schlingensief selbst changiert zwischen Agitator, Aufklärer und Agent gegenüber rechter Ideologie. Die Teilhabe der aussteigewilligen Neonazis stellt für ihn ein Mittel der Provokation dar, um deutlich zu machen, dass etwas faul im kapitalistischen Staate ist: „Resozialisierung, was soll das sein? […] vielleicht ist das System zu resozialisieren? Das ist die Frage!“ (Schlingensief in: Heineke/Umathum (Hg.) 2002: 101) In dem Impulsvortrag werden die Diskurse zur Partizipation und Resozialisierung analysiert, die durch Schlingensiefs Projekt entstehen: Darf aussteigewilligen Neonazis medial und theatral eine Bühne gegeben werden? Was bedeutet ihre Sichtbarkeit und Partizipation im Theater für die Möglichkeit des Ausstiegs aus der rechten Szene und für eine Demokratie? Welche künstlerische und politische Position beziehen Schlingensief und sein Produktionsteam? Und taugt Partizipation im Theater überhaupt als Mittel gesellschaftlicher Integration?

Uli Jäckle: „Wildnis“ – Strategien eines Partizipativen Theaterprojekts in einem rechtspopulistischen Umfeld
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VORTRAG: Christoph Lutz-Scheurle: „Im Dickicht der Dinge und Zeichen“ – Partizipation als dissensorientierte Kulturpraxis
Abstract folgt…